Vor drei Jahren erkrankte ich an Post-Covid. Was folgte, war eine Zeit tiefgreifender Einschränkung – ein Leben, das plötzlich durch Nebel wahrgenommen wurde, in dem Energie und Klarheit nur in Fragmenten zurückkehrten. Im Herbst verbrachte ich zwei Monate in einer Klinik, um einen Weg zurück ins Leben zu finden. Dort entstand der erste Teil eines fotografischen Zyklus, der diese Reise dokumentiert.
Im Nebel zeigt 14 Fotografien aus dieser Zeit – ein Ausschnitt aus einem größeren, noch andauernden Projekt. Die Bilder entstanden während meines Aufenthalts und offenbaren drei Perspektiven: die Außenwelt (Nebel, Landschaften, Licht), die Innenwelt (Flure, Treppen, Räume) und schließlich mich selbst – verletzlich, erschöpft, suchend.
Jede Fotografie ist ein Zwischenraum: zwischen Krankheit und Heilung, zwischen Dunkelheit und Licht, zwischen dem, was war, und dem, was sein könnte. Die Nebelbilder visualisieren die Post-Covid-Erfahrung – eine Welt, deren Konturen verschwimmen, in der Distanzen nicht mehr abschätzbar sind. Die Architekturaufnahmen der Klinik werden zu Metaphern: Treppen als Wege aus der Dunkelheit, Flure als lange Passage, Fenster als Hoffnungsschimmer.
Der Sonnenaufgang – ein Schlüsselbild der Serie – markiert den Beginn eines neuen Tages. Nicht das Ende, sondern den Anfang. Nach der langen Nacht kommt das Licht zurück, langsam, aber unaufhaltsam.
Die Selbstportraits sind der mutigste Teil dieser Arbeit. Sie zeigen den entblößten Körper – nicht heroisch, sondern so, wie er ist: erschöpft, aber aufrecht. Der Wechsel zwischen Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien spiegelt die Schwankungen meines Zustands wider: Momente der Hoffnung wechseln sich ab mit Phasen tiefer Resignation.
Diese Ausstellung ist persönlich, weil sie sein muss. Aber sie ist auch universell: Sie erzählt von jedem Menschen, der durch eine Krise geht und lernen muss, Schritt für Schritt, den Weg zurück ins Licht zu finden. Im Nebel ist der erste sichtbare Teil einer längeren künstlerischen Auseinandersetzung mit Krankheit, Zeit und Transformation – ein Projekt, das noch nicht abgeschlossen ist, weil Heilung Zeit braucht.
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PaperShoot
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